Im Bereich der Archäologie findet eine Revolution statt. In den vergangenen Jahren fand man ein königliche Siegel, das den Namen von König Hiskia von Juda trägt sowie schriftliche Mitteilungen, die von israelischen Soldaten niedrigen Ranges verfasst wurden, und einen neuen ägyptischen Pharao, der womöglich Teil einer Dynastie war, die den Archäologen bisher unbekannt war. Das Aufregende ist, dass die Entdeckungen auch weiter zunehmen und immer besser werden. Die Menge und Vielfalt der unentdeckten Dinge ist überwältigend.

 

Was verborgen ist, das steht bei dem Herrn, unserem Gott; was aber geoffenbart ist, das ist ewiglich für uns und unsere Kinder bestimmt, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun (5. Mose 29:29).

 

Während allgemeinhin oft angenommen wird, dass Archäologen die meisten Überbleibsel aus dem alten Ägypten und Kanaan gefunden haben, ist es in Wahrheit so, dass die Experten, die sich auf der Suche nach verschütteten Artefakten, Gräbern und ganzen Städten befinden, darüber genau andersrum denken. In unserer fortlaufenden Untersuchung der biblischen Geschichte, waren wir überrascht herauszufinden, wie viel Material noch im Boden versteckt ist und entdeckt werden will. Ein Experte nach dem anderen hat uns erklärt, dass man bisher nur an der Oberfläche gekratzt hat.

Diese neue Entdeckungs-Ära wird womöglich auch die allgemeine Haltung der Akademikerwelt beeinflussen, die in den vergangenen Jahrzehnten weitestgehend skeptisch gegenüber der frühen Geschichte der Bibel war. Wir können gespannt sein, wie diese zunehmenden Informationen unser Verständnis auf die Welt der Antike und ihren Bezug auf die Bibel beeinflussen werden. Die Entdeckungsrate erhöht sich auch deshalb, weil neue Technologien Möglichkeiten eröffnen, von denen man sich früher nicht hätte träumen lassen.

Die archäologische Ausgrabungsstätte Tell el-Dab’a, wo die Österreicher seit mehr als 30 Jahren die antike Stadt Avaris erforschen.

Die Ausgrabungsstätte Tell el-Dab’a ist ein gutes Beispiel, welch Mühe es kostet, nur den Bruchteil eines Ortes freizulegen. Diese Stätte befindet sich dort, wo früher Ramses lag, das in der Bibel als Stadt der Israeliten erwähnt wird, die während ihrer Sklavenzeit in Ägypten gebaut wurde. Avaris liegt unter Ramses (deshalb ist es älter), und die Tatsache, dass es hauptsächlich von semitischen Hirten bevölkert war, welche laut Geschichte der Stadt dort anfangs als freies Volk mit Erlaubnis der Ägypter lebten, passt in einzigartiger Weise mit dem Bericht aus dem zweiten Buch Mose über Israels frühe Geschichte zusammen.

Wie Ägyptologe Charles Aling die Ausgrabungsstätte dieser wichtigen alten Stadt Avaris kommentiert, ist eines der Bonusmaterialien der Collector’s Edition Box Set of Patterns of Evidence, die es bisher nur auf Englisch gibt. Wenn man ihn fragt, wie viel des antiken Avaris freigelegt ist, sagt Aling: „Avaris selbst ist eine der gewaltigsten Ausgrabungsstätten des antiken Nahen Ostens. 60 Ausgrabungssaisons hat es bisher gegeben (eine Grabungssaison dauert etwa zwei bis drei Monate, es gibt gewöhnlich zwei Grabungssaisons im Jahr). Und Professor Bietak, der vor Ort ausgräbt, sagt, man habe jetzt etwa drei Prozent freigelegt.”

Es scheint unglaublich, dass nach 30 Jahre andauernden Ausgrabungen die Österreicher nur etwa drei Prozent der Stadt freigelegt haben. Welche weiteren Hinweise wird man finden, während die Ausgrabungen voranschreiten? Dr. Aling sagt auch: „In Ägypten gibt es große Lücken … wir haben große Informationslücken.“ Er meint, dass das meiste Material aus dem antiken Ägypten erst noch gefunden werden muss und schätzt, dass wir nur zehn bis 15 Prozent von dem wissen, was noch herausgefunden werden kann.

CHARLES ALING
Ägyptologe – University of Northwestern, St. Paul

MANSOUR BORAIK
Generaldirektor der Altertümer – Luxor

JOHN BIMSON
Dozent für Altes Testament – Trinity College, Bristol

Mansour Boraik, der Generaldirektor der Altertümer in Luxor, betont, dass jeden Tag neue Funde entdeckt werden. Er schätzt, dass mehr als 60 Prozent von Ägyptens Monumenten unter der Oberfläche begraben liegen.

Professor John Bimson von der Trinity University in Bristol (England) sagt in Bezug auf Avaris, dass außerdem noch viele andere von Semiten besiedelte Orte aus der Mittleren Bronzezeit in der Nähe gefunden wurden. Bimson sagt: „Wenn wir zurück zum 18., 19. Jahrhundert v.Chr. gehen, dann finden wir Siedlungen semitischer Gruppen – oder Asiaten, wie die Ägypter sie nannten. Wir wissen noch nicht genau, wann diese Siedlungen ihren Anfang nahmen oder wann sie aufhörten, weil viele dieser Stätten noch nicht weiter ausgegraben wurden. Es gibt einige Siedlungen (20 oder mehr), die gut mit der Beschreibung des Landes Goschen zusammenpassen würden, wo laut Bibel die Israeliten siedelten.

Es gibt über 20 semitische Siedlungen im Nildelta Ägyptens, die noch erforscht werden müssen.

„Auch bei der Stätte von Avaris hatte keiner vor Beginn der Ausgrabungsarbeiten eine Vorstellung, wie groß das Ganze ist. Es gibt etwas Hoffnung, dass man den Boden mit Radar untersuchen kann, wie das auch im Ramses-Abschnitt von Avaris gemacht wird. Haben Sie je die Pläne gesehen, die sie von Ramses aufgrund von Bodenradar erstellt haben? Es sind dort Ställe und andere große Dinge zu sehen.

Wenn sich diese anderen Städte als ähnlich groß wie Tell el-Dab’a herausstellen, dann dauert es Hunderte von Jahren, um sie vollständig zu untersuchen. So könnte es noch viel im Boden geben, was darauf wartet, entdeckt zu werden, um weiteres Licht auf diese Periode der asiatischen Besiedlung zu werfen.“

Hunderte von Ausgrabungsjahren, nur um die semitischen Stätten im Nildelta freizulegen – und das sind nur die Stätten, denen wir uns momentan bewusst sind. Werden diese Stätten und das, was dort entdeckt wird, uns helfen, die Präsenz der frühen Israeliten in Ägypten zu beweisen?

Es ist Gottes Ehre, eine Sache zu verbergen, aber die Ehre der Könige, eine Sache zu erforschen. (Sprüche 25,2)

Wir müssen uns noch die Auswirkungen einer weiteren neuen Technologie bewusst machen. Die letzten Jahre hat Ägyptologin Sarah Parcak von der University of Alabama in Birmingham Infrarottechnik von Satelliten eingesetzt, das 17 verlorene Pyramiden in Ägypten zutage befördert hat. Sie behauptet auch, dass sie mit diesem System mehr als 1000 Gräber und 3100 antike Siedlungen entdeckt hat. Ihre faszinierende Arbeit wird in der BBC-Dokumentation Egypt – What Lies Beneath gezeigt.

Ein Bild der antiken Stadt Tanis, die im Nildelta unter Sedimentschichten begraben liegt, in einer typischen Sattelitenaufnahme (links), zeigt im Vergleich mit derselben Gegend, die durch ein Infrarotbild hervorgehoben wird (rechts), ein Muster von Straßen und Häusern.

Die begrabene Stadt Tanis gefilmt von einem Satelliten mit Infrarottechnik.

Eines ihrer bemerkenswertesten Funde war die antike Stadt Tanis, die unter der Oberfläche des Nildeltas begraben liebt, nordwestlich von Avaris. Parcaks Team benutzt Aufnahmen sowohl von der NASA als auch von kommerziellen Satelliten zusammen mit einer Infrarot-Technik, die unterschiedliche Materialien unter der Oberfläche hervorheben kann. Was auf den Bildern zu sehen ist, ist ein altes Netzwerk von Straßen und Häusern, die von dem darüberliegenden Grund und Boden aus völlig unsichtbar sind.

„Ich konnte es nicht glauben, dass wir überall in Ägypten so viele Orte entdeckt haben“, sagt Dr. Parcak im Film. „Das weist auf die Möglichkeit der Entdeckungen hin, die noch gemacht werden können. Ich bin ganz aufgeregt für meine Generation und die nachfolgenden. Es gibt genug für 50 Generationen zum Ausgraben.“

Einer von Amerikas Top-Ägyptologen, Kent Weeks, sprach mit Filmemacher Timothy Mahoney in Karnak über die Menge des noch unentdeckten Materials. Er sagte: „Es gibt genug Material, neues Material in Ägypten, das Archäologen die nächsten Jahrhunderte lang beschäftigt halten wird.“

Kent Weeks spricht über die große Menge an Informationen, die noch freigelegt und interpretiert werden müssen. Ausschnitt aus Patterns of Evidence: The Exodus Collector’s Edition Box Set.

Der Film Patterns of Evidence: Auf der Suche nach den Spuren des Exodus  ist Teil eines Versuches gegen die Behauptung anzugehen, dass es keine archäologischen Belege für den biblischen Exodus-Bericht gebe. Eine Flut von neuen Entdeckungen kann diesen Prozess noch ankurbeln. Was liegt noch alles versteckt unter dem Sand der Geschichte und welche Geheimnisse und Missverständnisse über die Bibel werden in den nächsten Jahren gelöst? Stellen sie sich vor, wie aufregend es wäre, etwas auszugraben, das niemand mehr seit Tausenden von Jahren gesehen hat. Vielleicht werden Sie oder jemand, den Sie kennen, von dieser Wissenssuche gepackt und Teil der Entdeckungen werden, die beeinflussen, wie die Welt die Geschichte und die Bibel in den kommenden Jahrhunderten sieht.