Im Jahr 2011 entdeckte die achtjährige Neshama Spielman ein seltenes antikes ägyptisches Amulett, während sie beim Temple Mount Sifting Project (Tempelberg-Siebungsprojekt) in Jerusalem mithalf. Archäologen haben inzwischen die komplizierte Inschrift darauf entschlüsselt. Die ägyptischen Hieroglyphen enthalten den Namen von Thutmosis III., einem der mächtigsten Pharaonen Ägyptens.

Thutmosis III. war einer der mächtigsten Pharaonen des Neuen Reichs aus der 18. Dynastie, der laut konventioneller Chronologie von 1479-1425 v.Chr. in Ägypten regierte. Hier klicken für einen Überblick über die „Zeitmauer“.

Das kleine Amulett wurde inmitten der Trümmer des Temple Mount Sifting Projects gefunden. Diese Organisation, der die Archäologen Dr. Gabriel Barkay und Zachi Dvira vorstehen, wurde in Jerusalem gegründet, um die großen Mengen an Schutt zu durchsuchen, die durch das Ausheben einer illegalen Baugrube entstanden waren, die der Islamische Waqf 1999 auf dem Tempelberg ausgehoben hatte.

Aus Sorge darum, dass wertvolle Fundstücke, die bis zur Zeit des Ersten und Zweiten Tempels zurückreichen, für immer verloren gehen könnten, fanden sich in dem Projekt Tausende von Freiwilligen zusammen, die unzählige Stunden Schutt durchsieben und waschen, in der Hoffnung, etwas zu finden, das hilft, die Vergangenheit zu rekonstruieren. Seit Gründung des Temple Mount Sifting Projects 2004 haben über 170.000 Menschen aus der ganzen Welt beim Durchsieben geholfen. Nie zuvor gab es eine so große Teilnehmermenge bei einem archäologischen Ausgrabungsprojekt. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der Bar-Ilan-Universität und wird von der City of David Foundation sowie der Israel Nature and Parks Authority unterstützt. Wer nach Israel reist und daran teilnehmen möchte, findet die entsprechenden Informationen dazu auf der Temple Mount Website.

Ein oft übersehender Aspekt dieses Fundes und anderer ähnlicher Funde, sind die möglichen Auswirkungen auf die Debatte über den Auszug der Israeliten aus Ägypten und auf die Landnahme Kanaans 40 Jahre danach.

Spielman machte ihre unglaubliche Entdeckung, als sie mit ihrer Familie zusammen zum Siebungsprojekt ging, um dort mitzuhelfen. „Während ich siebte, stieß ich auf ein Stück Keramik, die sich von den ganzen anderen Stücken, die ich gesehen hatte, unterschied. Ich dachte sofort, dass ich vielleicht etwas ganz Besonderes befunden hatte“, sagte sie in einer Presseerklärung.

Das mehr als 3000 Jahre alte ägyptische Amulett, von dem der untere Teil abgebrochen ist, ist 21 Millimeter breit, 4 Millimeter dick und (der noch vorhandene Teil) 16 Millimeter lang. Ein Ring oben ermöglichte, ein Band zu durchfädeln und das Amulett als Kettenanhänger zu tragen.  (Foto: City of David / Temple Mount Sifting Project / Israel Antiquities Authority).

Die heute zwölf Jahre alte Neshama Spielman beim Temple Mount Sifting Project, wo sie das Amulett entdeckte. (Foto: City of David / Temple Mount Sifting Project / Adina Graham).

Als die City of David Dr. Barkay fragte, wie dieses ägyptisches Amulett bis nach Jerusalem gelangen konnte, antwortete er: „Während der späten Bronzezeit standen Kanaan und der Stadtstaat Jerusalem mehr als 300 Jahre unter ägyptischer Vorherrschaft.“

Skarabäen, die den Namen Thutmosis III. trugen, wurden bereits zuvor in Jerusalem entdeckt, doch dies ist das erste Mal, dass auch ein Amulett seinen Namen trägt. Der Ägyptologe Baruch Brandl von der israelischen Altertumsbehörde stand der Forschergruppe vor, welche die Hieroglyphen entzifferte. Thutmosis III. wird aufgrund seiner Stadt- und Landeroberungen, mit denen er sein Reich erweiterte, von Historikern als „Napoleon von Ägypten“ bezeichnet. Als Ägyptens erfolgreichster Feldherr, verwandelte er Ägypten in eine internationale Supermacht.

Ein oft übersehender Aspekt dieses Fundes und anderer ähnlicher Funde, sind die möglichen Auswirkungen auf die Debatte über den Auszug der Israeliten aus Ägypten und auf die Landnahme Kanaans 40 Jahre danach. Die frühe Datierung setzt den Exodus um 1450 v.Chr. an, was laut ägyptischer Standardchronologie mitten in die Regierungszeit von Thustmosis‘ III. fiel.

Wie durch das Amulett bestätigt, hatte Ägypten zu der Zeit Kanaan sowie Jerusalems unter seinem Einflussbereich. Jerusalem war unter dem Namen Jebus bekannt und zu der Zeit von den Jebusitern bewohnt.

Die Amalekiter wohnen im Land des Negev; die Hetiter, Jebusiter und Amoriter aber wohnen im Bergland, und die Kanaaniter am Meer und entlang des Jordan. – 4. Mose 13,29

Die Bibel zählt die Einwohner Kanaans zur Zeit der Landeroberung auf. Aber mit keinem Wort wird erwähnt, dass sich Ägypter dort befanden oder man sie in den militärischen Schlachten dort antraf. Bedeutet das, die Landnahme fand nicht so statt wie in der Bibel erwähnt, oder gibt es eine andere Erklärung? Das ist das Thema von Teil 2 des Thinkers Updates, das folgen wird.

Übersetzung: Bettina Hahne-Waldscheck

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